Der Störfall von Krümmel

Nach einer zweiten Panne binnen weniger Tage ist das Atomkraftwerk Krümmel in Schleswig-Holstein vom Netz, am Samstagmittag kam es zu einer Schnellabschaltung des Reaktors.
Soweit die Nachrichtenagentur AFP. 
Woran es genau lag konnte noch nicht mitgeteilt werden, es gab wohl Störungen in den Generatoren. Einige fordern nun wieder den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie, der rechtlich gesehen aber nicht durchführbar ist da der Staat und die Energieversorger einen Vertrag über den Ausstieg abgeschlossen haben. Andere fordern, Krümmel abzuschalten und die Energieleistung auf andere Kraftwerke umzuschreiben. (Ausdrücklich möglich nach Ausstiegsvertrag!) Aber, wäre das Problem damit aufgehoben? Oder nur
aufgeschoben, weil dann irgendein anderes Kraftwerk "ewig" weiterlaufen würde? 
Meiner Meinung nach wäre das auch keine Lösung, Krümmel (1983) ist nicht das Älteste (m.W. Biblis, 1975), und die Strommenge auf die anderen, noch älteren Kraftwerke zu übertragen könnte das Problem nur verschärfen. 
Der Ausstieg in Deutschland hat nur die Folge, dass Energie immer teurer wird und wir immer ältere Kraftwerke betreiben. Und älter heißt nicht unbedingt sicherer! 
Die Diskussion muss neu beginnen...

A. (Gast) - 6. Jul, 10:22

Aber für die Grünen kommt der Strom doch sowieso aus der Steckdose - wozu dann noch Atomkraftwerke?
Holzen wir lieber noch ein paar Millionen Quadratkilometer Regenwald ab, um ein wenig Biomasse für den tollen Ökostrom zu produzieren. *Händereib*

Jürgen, Tritt-ihn! (Gast) - 9. Jul, 17:06

Endlich die lang erwartete Reaktion....

zum Thema Atomenergie, auf daß die Diskussion neu beginnen möge ;-)

Beginnen wir doch mal mit den Argumenten für Atomenergie:
1 - Atomenergie ist billiger als dieser teure Ökostrom.
> Gutes Argument. Leider völlig falsch. Einerseits wird der Preis für Strom an der Strombörse gemacht. Zwar ist es richtig, daß Atomkraftwerke günstiger Strom produzieren als z.B. Gaskraftwerke, allerdings macht das nichts, denn der Preis für Atomenergie richtet sich nicht rückbezüglich auf sich selbst aus, sondern nach eben jenen Gaskraftwerken. - Gut, man könnte das mit Sicherheit in irgendeiner Form ändern, gesetzlich regeln, usw. aber dennoch wäre selbst das günstigste Atomkraftwerk noch immer teurer als alle Windkrafträder die wir momentan haben zusammen. Warum? Weil jeder Steuerzahler den Strom schon längst subventioniert. Nicht nur daß die Energiekonzerne Zuschüsse bekommen haben um "umweltfreundlichere Technologien" (!) zu entwickeln, nein, man zahlt auch für die Entsorgung des Atommülls, für den Abbau von Uran, für die Wiederaufbereitung der Natur, für den Schutz der Atomkraftwerke und natürlich auch für alle gesundheitlichen Schäden, die die Leute, die nahe an Atommeilern wohnen, bekommen - und das ist empirisch belegt. Wer sagt es gäbe keinen Zusammenhang zwischen Atomenergie u. z.b. Leukämie der ist entweder blind oder ein Heuchler schließlich ergeben Studien, daß das Risiko dafür innerhalb eines Kreises von 5km um ein AKW ca. 220% höher ist - und bei Windrädern? Wahrscheinlich kriegt man leichter Schnupfen wegen dem Wind. Und auch ohne diese letzten Punkte haben Verbraucherschützer berechnet, daß Atomstrom die Energiekosten einer deutschen Durchschnittsfamilie monatlich um nicht einmal 50 Cent senken würde.
Und sollte es irgendwann zum Super-GAU kommen, dann wird es erst richtig teuer. Denn aufgrund der hohen Risiken ist kein AKW versichert. Sollte also ein größerer Unfall passieren, so zahlt das auch wieder der Steuerzahler. Abgesehen von all diesen Punkten ist es natürlich tatsächlich sehr günstig.

2 - wenn wir die AKWs abschalten, dann wird Strom von unsichereren Meilern aus dem Ausland importiert:
> Ein erstaunliches Argument, wenn man bedenkt, daß Deutschland ungefähr so weit davon entfernt ist Strom zu importieren wie die "Schafsnatur des Christen vom Lamm Gottes" (endlich mal eine Gelegenheit diesen Satz anzubringen :-D). Im Jahre 2007 mussten in Deutschland zeitweise 4 Atomkraftwerke gleichzeitig abgeschaltet werden. Und, gab es jemanden, bei dem kein Saft mehr aus der Dose kam?! Selbst trotz dieser Abschaltungen EXPORTIERTE Deutschland noch immer 26Mrd KW/h. Schon jetzt könnten problemlos sieben (von 17) AKWs einfach abgestellt werden, ohne daß die Gefahr einer Unterversorgung entstünde. Tatsächlich wird auch kein AKW voll ausgelastet. Die meisten laufen auf 25 - 45% ihrer Leistungsfähigkeit. Und warum? Damit der Strom nicht zu günstig wird.

3 - Deutschland ist das einzige Land, das aus der Kernenergie aussteigt, alle anderen bauen AKWs:
> Ein Argument das bezeugt, daß jemand anscheinend keine ordentliche Tageszeitung zur Hand hat. Fast alle europäischen Staaten haben den Atomausstieg beschlossen. Es gibt nur zwei Länder in Europa, die tatsächlich neue Kraftwerke bauen, bzw. bauen wollen, und zwar Frankreich und Finnland. Italien würde gerne, aber die Chancen dafür stehen schlecht, schließlich wurde in den 80er Jahren per Volksentscheid beschlossen die nukleare Stromgewinnung zu beenden. Und so zählt Italien genauso wie Österreich oder Dänemark usw. zu den Ländern, die deswegen nicht aus der Atomkraft aussteigen, weil sie gar keine haben.

4 -Atomenergie ist umweltfreundlich:
> ...und eine Axt im Bein tut gar nicht weh. Fangen wir mal von vorne an. Es beginnt damit, daß irgendwo Uran abgebaut werden muss. In Deutschland ist dies seit 1993 verboten (Es heißt zwar, sie seien alle unrentabel gewesen, aber tatsächlich gibt es Vorschriften, die den Uranabbau in D verbieten) - warum? Aus Jux und Dollerei? Eher nicht. Noch immer ist das Grundwasser bei uns übermäßig stark mit Uran belastet. Die Natur rund um ein Uranabbaugebiet ist bis zu einem Umkreis von bis zu 200 km über Jahrzehnte hinweg so stark verstrahlt, daß dort eigentlich kein Mensch leben dürfte oder sollte.
Die erhöhte Krebsrate bei Menschen in der Nähe von Atomkraftwerken haben wir schon angesprochen. Außerdem bleibt das Problem der Endlagerung. Ich fürchte, da hat die Regierung noch ein paar Asse im Ärmel.
Abgesehen davon stimmt es nicht, daß Deutschland die Klimaziele ohne Atomkraftwerke nicht erreichen würde. Atomkraftwerke liefern sogar überhaupt gar keinen Beitrag zur Senkung des CO2.
Auch schön ist immer wieder das Argument Windräder würden die Umwelt verschandeln. Das sehen die Leute immer ganz deutlich, wenn sie mit ihrem Geländewagen über die Autobahn brausen. Abgesehen davon, daß Deutschland meiner Meinung nach ein Land ist, in dem ästhetisches Verständnis etwas völlig unbekanntes zu sein scheint (betrachtet bitte die neugebauten Häuser in euren Städten, und wie die Leute davor stehen - weiße Socken, Sandalen, grüne Hosen, ein T-Shirt mit "Bier formte diesen Körper" und weiß ich noch...), sie sind auch nicht häßlicher als Strommasten oder Autobahnen oder Golfplätze oder Flughäfen.

5 - Atomkraft ist sicher:
> Atomkraft ist sicher gefährlich. Es geht hier nicht um den so oft beschworenen Atommeiler in Albanien, sondern es geht um Atommeiler in der westlichen Welt, in den Industrienationen. Krümmel ist ein deutsches Werk, Brunsbüttel auch. In Schweden gab es ebenso Reaktorunfälle wie in den USA. Es gab bis zum Jahre 2006 genau 12 schwere Reaktorunfälle in Japan, Algerien, Ukraine, Großbrittanien, USA, usw. Reaktorunfälle gibt es also überall. So sicher ist die Atomenergie. Dazu muss man auch noch sagen, daß das nur die Fälle sind, die der Öffentlichkeit bekannt sind. Immer wieder liest man, daß ein Energiekonzern zugegeben hat, daß vor 6 oder 8 Monaten oder auch mal vor 2 Jahren irgendwelche Fehler in Kraftwerken aufgetreten sind - wieviele Fehler und Unfälle mag es geben, von denen man als Otto Normal nichts weiß?!
Abgesehen davon: alle reden von Terror, nur wenn es um AKWs geht, dann ist alles sicher. Die Kraftwerke sollen "vernebelt" werden, damit kein Flugzeug reinfliegen kann. Jetzt mal ehrlich: Da hätte selbst Daniel Düsentrieb gesagt, daß das albern und überflüssig ist. Falls es überhaupt funktioniert.

Am Ende möchte ich nochmal auf drei andere Punkte hinweisen:
1. Monsanto rottet die Bienen aus.
2. Bio-Nahrung ist eigentlich günstiger als solche, die mit Pestiziden und Antibiotika hergestellt wurde, wird aber teurer verkauft.
und
3. Hühnerkacke ist auf dem Markt mehr wert als Hühnerfleisch (wegen der Biomasseenergie). - denkt mal drüber nach.

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